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Ein wesentlicher Bestandteil unseres Projektes ist die Rekonstruktion oder zumindest das starke Annähern an den Lebensalltag des von uns gewählten Zeitraumes von 1470 bis 1490. Damals mehr als heute nahm die tägliche Ernährung einen hohen alltäglichen Stellenwert ein. Mit dieser Zusammenfassung essentieller Dinge rund um den spätmittelalterlichen Tisch möchte ich auch in diesem Bereich ein wenig Licht in's Dunkel bringen und Fehlbeurteilungen oder falsche Darstellungen korrigieren. Alle hier dargelegten Erkenntnisse stammen aus klaren, seriösen Quellen und umfangreichen Recherchen in zahlreichen Niederschriften zu diesem Thema. Trotz aller Sorgfalt bei der sehr zeitintensiven Auswertung der Quellen erhebe ich nicht den Anspruch absoluter Unfehlbarkeit und bin für Anregungen, konstruktive Kritik oder Ergänzungen zu diesem interessanten Thema sehr dankbar.

Peter Pfeiffer


Das Alltagsleben in der Vergangenheit und auch die Gewohnheiten beim Essen und Trinken bleiben für uns häufig im Dunkeln. Die normalen, alltäglichen Dinge hält niemand für wichtig genug, um sie aufzuzeichnen und sie für die Nachwelt festzuhalten, es sein denn es handelt sich um Ereignisse mit hohem, gesellschaftlichen Stellenwert.

Es ist deshalb nicht einfach etwas über die tägliche Kost des Bauern, Handwerkers, einfachen Bürges oder Wachsoldaten zu erfahren. Die Armen haben ebenfalls keine Archive hinterlassen und die uns überlieferten Rechnungen und Aufzeichnungen für Einkäufe oder Vorräte geben vor allen Dingen Aufschluss über die Kost des Adels, der Klöster und des gehobenen Bürgertums.
Hier führt uns die Archäologie weiter, die durch Ausgrabungen eine Rekonstruktion der Alltagsküche in der breiten Bevölkerungsmehrheit ermöglicht.

Der Kirchenkalender bestimmte im Mittelalter und so auch zu unserer Zeit den Alltag und Tagesablauf. Mit 70 Fastentagen im Jahr zusätzlich zu Sonn-und Feiertagen, sowie am Freitag nahm dieser Kalender einen erheblichen Einfluss auf die Ernnährungsgewohnheiten des spätmittelalterlichen Menschen. Aß man in aller Regel nur zwei Mal am Tag (vormittags und am späten Nachmittag), so reduzierte sich dieser Rhythmus an Fastentagen auf eine Mahlzeit täglich. Ausgenommen davon waren Schwangere, Kranke, Ammen, alte Menschen und Kleinkinder, die einen kleinen Imbiss zwischendurch, der oft nur aus gezuckertem Wein bestand, als zusätzliche Nahrung zu sich nehmen durften. Noch heute zeugt der "fette Dienstag" oder "mardi gras" vom Beenden der Fastenzeit und den damit einhergehenden reichlichen, also "fetten", Mahlzeiten, die gar nicht so fett waren, wie wir noch sehen werden.

Wir wollen nun in einzelnen, komprimierten Kapiteln auf die grundlegend spätmittelalterliche Ernährung, den eigenen Geschmack sowie Ess- und Trinkgewohnheiten eingehen.

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