<< Der gedeckte Tisch

Der mittelalterliche Tisch bot bei Weitem nicht die Vielfalt an Besteck und Keramik, wie wir es heute gewohnt sind.

Als einziges Besteck diente ein schmales Messer, mit dem die Speisen zerteilt wurden und ein Löffel. Da der Gebrauch von Gabeln zur allgemeinen Nahrungsaufnahme noch nicht üblich war, wurden die Speisen - meist mit der linken Hand- zum Mund geführt. Erst zum Ende des 15. Jhd. kamen vereinzelt 1-zinkige Esspfrieme auf, die man ähnlich einer Gabel gebrauchen konnte. Zweizinkige Gabeln waren zwar bereits seit der Antike bekannt, dienten im späten Mittelater aber ausschließlcih als Vorlegegabeln an oder zum Verzehr von klebrigen, zuckerhaltigen Nachspeisen an vornehmer Tafel. Das reguläre Essbesteck des durchschnittlichen Menschen bestand nur aus Messer und Löffel, die zur Einladung mitgebracht wurden.

Aus diesem Grund servierte man Fleisch und Fisch in flachen Schüsseln, in die sie, bereits vom Koch grob zerkleinert, eingefüllt wurden. Was noch nicht zerteilt war, wurde auf flachen Holztellern oder Brettchen mundgerecht in kleine Happen zerteilt und mit den Fingern oder mit dem Messer bzw. Löffel gegessen.
Um das Tischtuch oder den Tisch zu schützen wurden häufig flache Brotscheiben auf den Teller gelegt, die Bratensaft oder Soße aufsaugen sollten. Diese Brotscheiben wurden eigens dafür gebacken, nannten sich "Tellerbrot" und stammten von Bäckern, die nur diese Brotsorten buken.
In wohlhabenden Häusern benutzte man zu unserer Zeit an Festtagen auch bereits Kannen, Teller und Schüsseln aus Zinn.

Suppen, Grützen oder Brei aß man mit dem Löffel, der aus Holz, Horn, Zinn oder auch Silber sein konnte aus tiefen Holztellern oder Keramikschüsseln. Im durchschnittlichen Haushalt bestand das Tafelgeschirr überwiegend aus Holz oder Ton. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts finden sich auch im einfachen Haushalt immer öfter Trinkbecher und Flaschen aus Glas, die vorher nur den wohlhabenden Familien vorbehalten waren.

Erst in der frühen Neuzeit setzen sich Zinn- und Kupferbehältnisse in Deutschland auch in der breiten Masse durch und wurden auch für den einfachen Haushalt bezahlbar. Die Aquamanile, ein Wasserspender aus gebranntem Ton zum rituellen Reinigen der Hände während des Mahls, der meist in Tierform gestaltet wurde, war im 14. Jhd. ständiger Begleiter auf edlem Tisch. Im 15 Jh. finden sich Aquamanilen nur noch vereinzelt aus Bronzeguss und der Wasserkessel verbreitet sich immer mehr. Dabei handelt es sich um einen kleinen "teekannenförmigen" Bügel-Kessel mit zwei Ausgießern, der in einem Schränkchen über einer Schüssel aufgehängt, zur Reinigung der Hände im bürgerlichen Haushalt diente.

Gläser, bereits seit der Antike in Gebrauch, sind auf zeitgenössischen Abbildungen und durch Funde vielfach für unsere Zeit belegt. Im Spätmittelalter setzten sie sich, bedingt durch Manufaktur-Produktionen, immer mehr durch, zählten bereits ab der Mitte des Jahrhunderts zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand und kamen selbst in einfachen Schankwirtschaften zum Einsatz. In diesem Zusammenhang sei eine Nürnberger Verordnung zitiert, die bereits im 14. Jhd. erlassen wurde und Gäste zur Zahlung von 60 Pfennigen verpflichtete, wenn sie im Wirtshaus ein Glas zerbrachen. Gerade der gläserne Nuppenbecher aus grünem Waldglas ist auf vielen Gemälden abgebildet und stellte ein völlig normales Attribut auf edler oder einfacher Tafel dar. Von den vielen Glasformen und Aufbewahrungsgefässen will ich besonders den Kuttrolf und die doppelkonische oder gestauchte Flasche wegen ihrer wirklich sehr charakteristischen Formen erwähnen.

Glas nahm im europäischen Vergleich nicht nur durch die Masse, sondern auch durch die Farbe eine Sonderstellung ein. Während man andernorts bestrebt war Gläser möglichst klar und rein herzustellen, war es in Deutschland Mode Gläser in grün oder blau einzufärben, was bis ins 17. Jhd. anhielt. Das weiße und reine Glas galt bei uns als ein "gemeines Glas" während eingefärbtes als "edel" galt . Hier möchte ich eine Verodnung der Stadt Frankfurt von 1442 zitieren, die das zu starke Einfärben der Gläser einschränkte, da man den Wein damit "optisch schönte" und "gestreckter" Wein nicht richtig erkannt werden konnte. "...und solle nach allen wynstichern schicken und yne sagen die grüne gleserchin balde abtun und gmein gleser nemen, uff das die burgere, die also wine keuffen nit also beschiessen und bedrogen werden."

Trotz der stärker werdenden Präsenz von Glas waren die typisch spätmittelalterlichen Keramik-Trinkgefässe wie z.B. der Trichterhalsbecher oder der Wellenfussbecher weiterhin im ständigen Gebrauch, wie archäologische Ausgrabungen vielfach belegen. Selbst Daubenschalen oder Daubenbecher aus Holz wurden noch im einfachen Haushalt und in Schankwirtschaften benutzt.

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